Mittwoch, 7. Dezember 2016

Der türkische Nikolaus und der palästinensische schwarze Jesus - Geschichte und Religion im Kampf der Ideologien

Der Kreuzknappe brachte eine Meldung und ein paar Verweise zu einem Phänomen, welches mittlerweile ärgerliche Ausmaße annimmt. Die ideologische Ausschlachtung von historischen und / oder religiösen Persönlichkeiten. Aktuell versucht man wiedermal besonders Christen, oder jene, welche an leicht zu überzeugenden Christen in Europa zu erreichen sind, damit von der eigenen Weltanschauung zu überzeugen, indem man ihre Heiligen kurzerhand für die eigene Sache umspannt und dafür auch mal Geschichte getrost beugt.
Einer der Verweise des Kreuzknappen leitet zur Jüdischen Rundschau bzw. einem Artikel von Nikoline Hansen vom Februar diesen Jahres, welcher gleich auf den Punkt kommt. Wer behauptet der heilige Nikolaus sei ein Türke oder Jesus ein Schwarzer oder ein Palästinenser gewesen, der klittert. Klittern, dass bedeutet Geschichte zu verdrehen, zu verfälschen, sich Elemente rauszusuchen und diese mit frei erfundenem oder bewusst falsch wiedergegeben zu entfremden.

Was den Nikolaus angeht (und auch Jesus), so leistet der Artikel sehr gute Arbeit. Darum nochmal den Link. Lesen und durchdenken. Wer zweifelt, ruhig auch mal nachlesen und dabei vielleicht mal die Grundlagen historischer Forschung ansehen.

Was den Artikel im Umfang wohl gesprengt hätte, darum aber ein wenig fehlt, ist der Hinweis, dass es "die Türken" als solche noch nicht gab, als jener Heilige auf den Folterbänken der Christenverfolger lag. Nichtchristen folterten einen Bischof - dieser Teil der Geschichte sollte vielleicht in dem Moment betont werden, wenn jemand versucht ihn in ein türkisches Umfeld zu verlegen. Meiner Erfahrung nach beginnen dann die Relativierungen.
Die sollten aber schon vorher beginnen. Wie gesagt sind die Türken als solche erst im 6. Jh.n.Chr. greifbar. Deutlich nach dem Tod des besagten Heiligen. Und auch eine gute Ecke weg von jenem Ort. Wie der Artikel auch ausführt, erreicht jenes Volk, dem man den Nikolaus gerne zurechnen will, erst im 11. Jh. die Region. 700 Jahre später.

Wer in diesem Kontext den Nikolaus noch als Türken ansprechen will (oder dies dann als etwas positives, vereinendes sehen möchte) der muss auch die Deutschen als Germanen bezeichnen und die (berechtigte) Kritik an dieser "Erblehre" und dem "Volkstümeln" vieler Abseitsrechter einstellen.

Völlig absurd wird die Ausschlachtung von Jesus für die palästinensische oder "black supremacy" Sache. Wahlweise wird unser Gottessohn zu einem Mitglied einer bis vor nicht allzu langer Zeit gar nicht als solche wahrgenommenen Volksgruppe oder zu einem Menschen mit sehr dunkler Hautfarbe erklärt. Er soll damit vereinnahmt werden als Mitglied unterdrückter, verfolgter Gruppen. Ohne jetzt zu sehr auf die Lage der Palästinenser einzugehen (die erste Gruppe von Flüchtlingen, die neben massivem Bevölkerungswachstum, eigenen Wahlen und internen Bürgerkriegen auch noch Probleme mit Übergewicht zu beklagen hat und sich vier oder fünf Sterne Hotels bauen kann während sie ihre eigenen kritischen Journalisten umbringt und Menschen wegen Handelns mit Juden ermordet und durch die Strassen schleift) - Jesus WAR Mitglied einer Volksgruppe, die von anderen dominiert wurde. Und deren Aufstände wurden von den Römern mit weitaus weniger von dem niedergeschlagen, was wir heute als Menschlichkeit und Achtung der Menschenrechte betrachten. Wer die Geschichte des Jüdischen Krieges nicht kennt oder noch nie etwas vom Bar Kochba Aufstand gelesen hat, sollte dies dringend nachholen.
Angesichts der damaligen Situation von "Privilegien" oder der "Aneignung" der "weißen Herrenmenschen" zu fabulieren oder umgekehrt zu behaupen unsere Religionsgründer, Heiligen oder geehrten Persönlichkeiten gehörten einer anderen Gruppe an, die in der ein oder anderen Art heute für Schlagzeilen sorgt um damit eine Einigkeit oder ein Verständnis oder wenigstens eine Neupositionierung der kritischen Stimmen zu erreichen ist lächerlich, geschichtsfern und in einer Art wissenschaftsfeindlich, wie wir es in der Geschichte Europas immer dann erleben, wenn autoritäre Regierungen oder Regime versuchen den Blick auf die Welt nach ihren Wünschen zu formen.

Einer freiheitlichen Grundordnung sind solche Töne und Methoden unwürdig. Von den antisemitischen Tönen des zitierten Kommentares von Hecht-Galinsky, die dort völlig offen das alte antijüdäische Bild des "die Juden ermordeten Jesus" nutzt, um ihn zu einem "ersten Märtyrer" einer anderen Sache, der palästinensischen, zu machen. Jeder Christ sollte hinter diesen plumpen Versuch der Manipulation sehen können. Jesus starb nicht für PLO, Fatah, Hamas oder irgendwen dieses Konfliktes sonst. Dieser Missbrauch sollte nicht hingenommen werden, und auch kein anderer.

Darum, dieses Jahr etwas spät aber immerhin, auch wiedermal der Hinweis auf die "weihnachtsmannfreie Zone". Zu Nikolaus und dem heiligen Abend nur "echte Nikoläuse".

Sonntag, 4. Dezember 2016

Wen interessieren die Opfer?

Eine 19jährige, die sich in einem Flüchtlingsheim engagiert hat, wird von einem 17jährigen Flüchtling abgepasst, vergewaltigt und ermordet.
Hinter diesen drei Worten stehen grenzenloser Schrecken, Qual und ein elendiger Tot. Mit dem Tod endet das Leid des Opfers größtenteils, das ihrer Angehörigen, derjenigen die sie lieben, beginnt.

Das Leid endet größtenteils? So sehe ich das zumindest. Wen interessiert denn das verlorene Leben? Die einen melden Trauerkundgebungen an, wollen das, was diesem Menschen angetan wurde nicht einfach in die schnelle Vergessenheit fallen lassen, in das "wir müssen weitermachen als wäre nichts, sonst gewinnen die Bösen" einstimmen. Aber geht es ihnen wirklich um das Opfer, oder um die eigenen Ängste, die Sicherheit der eigenen Angehörigen und der eigenen Person?
Vielleicht, ich weiß es nicht.
Aber ganz sicher weiß ich, dass all jene Politiker und Journalisten, die sich jetzt ausschließlich damit beschäftigen die Gruppe, aus der jener Täter stammt in Schutz zu nehmen, teilweise mit Gewalt auf den Strassen gegen die oben genannte erste Gruppe - denen ist das Mädchen völlig egal. Die interessiert nicht, dass dieses gerade aus dem Kindesalter entwachsene junge Leben unverdient und auf unerträgliche Weise beendet wurde. Die Aufklärung des Verbrechens, die Ehrung der Toten ist ihnen egal.
Wer es nicht glaubt, möge bspw. mal nachlesen, was vor vier Jahren mit den Mahnmal für Irene N. in Neuss passierte. Geschändet und mit Drohungen versehen. Und das geht fast jedes Mal so. Die Missachtung gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen ist nichts anderes als "extremistisch".
Wer immer von Menschenrechten spricht, dem "Hass den Kampf ansagt" und nicht gegen diese Demonstrationen vorgeht verliert in meinen Augen jegliche Glaubwürdigkeit.

Es bleibt dabei. Ein idealistisches, 19jähriges Mädchen ist VERGEWALTIGT und ERMORDET worden. Das und ähnliche Verbrechen, egal von wem, sind untragbar. Und jedes Opfer verdiente Aufmerksamkeit, Respekt, Trauer und Erinnerung. Und wenn diese Erinnerung MÖGLICHERWEISE genutzt oder missbraucht wird, dann sollten wir hinterher und in ruhigem, zivilisiertem Ton darüber sprechen können.
Wer das nicht kann, soll gefälligst komplett still sein.

An dieser Stelle würde ich normalerweise auf den Weißen Ring hinweisen, eine Organisation, die sich der Opferhilfe für die Betroffenen von Kriminalität verschrieben hat.
Mittlerweile aber setzt auch sie ihre Mittel zum Teil für die Flüchtlingshilfe ein. Dafür ist sie nicht da, und jedes Opfer eines Verbrechers welches deswegen nicht aus den vollen Schöpfen kann wird für mich damit nach hinten gerückt. Darum diesmal kein Link.

Ich bete für die ermordete Studentin, ihre Angehörigen und alle Opfer solcher Verbrechen wie auch deren Angehörige.

Freitag, 2. Dezember 2016

Castros Asche

El Commandante ist tot, seine Asche wurde diese Woche über die Insel gekarrt, damit die vielen treuen Anhänger Abschied nehmen mü... dürfen. Und Exilkubaner in Miami und anderen Orten der USA feiern das, wie man es zuletzt beim Tode Osama bin Ladens sah. Also das Ableben. Nicht die Inszenierung, die man nebenbei ähnlich auch in Nordkorea erleben konnte.
Ein Händler in Miami ging so weit, bis zu 50 000 $ Rabatt auf seine Fahrzeuge zu geben. Er wolle damit an "diesem Freudentag etwas zurückgeben".

Währenddessen reagierten die Staatslenker der westlichen Hemisphäre, als hätten sie einen bedeutenden Menschenrechtler, einen verbesserer der Weltsituation verloren. Die Beileidsbekundungen aus Kanada und dem Weißen Haus lesen sich teilweise rührend. Kein böses Wort ist zu finden. Lediglich der künftige US Präsident findet eine klare Kante, die dafür aber auf den Punkt kommt.
Auch die deutsche Medienlandschaft wird nicht müde, den "am Ende" doch "großen Staatsmann" zu rühmen, der vielleicht nicht so wirklich golden war, aber doch irgendwie sowas wie ein Held im weitesten Sinne.... und so. Es ist erbärmlich. Mir wurde regelrecht schlecht.
Obama war der erste Politik der Weltmacht, der die Hand nach Kuba öffnete und dafür die Augen verschloß. Eigentlich ziemlich oft sogar bedenkliche Züge zeigte, aber das ist ein eigenes Thema. Photos vor den Wandbildern bekannter und gerne auf T-Shirts gedruckter Massenmörder waren für den sonst so sensiblen "Potus", der nach einem "Mass Shooting" in der Heimat auch schon mal ein Tränchen verlor, kein Problem. Händeschütteln mit dem "Ex-" Diktator und dessen Nachfolger / Bruder? Unbedingt. Das die Verhaftungswellen gegen Dissidenten weitergingen, ja unmittelbar vor und nach dem Papstbesuch, eine weitere gegen die "Frauen in Weiß" erfolgte - bloß nicht thematisieren.
Die weiterhin existierende Todesstrafe für Drogendelikte - kein Grund zur Kritik.
Das der jahrzehntelang regierende Diktator und sein Bruder nicht eine einzige offene und faire Wahl durchführen ließen - warum sich darüber krämen. Wir erleben doch gerade, dass der Volkeswille absolut nicht dem der "Eliten" entspricht (Brexit, Trump, AfD....).

Was man zu lesen bekommt, ist die Behauptung, dass Castro das Bildungsniveau wie die Gesundheitsversorgung drastisch verbesserte und sie damit weit über dem Niveau bspw. der USA lägen.
Auch die Weltbank hat 2014 verlauten lassen, das kubanische Bildungssystem läge an der Spitze Lateinamerikas und würde generell nicht schlecht abschneiden. Immerhin 47 Universitäten besäße das Land, die Alphabetisierung wäre umfassend.
Das die Schulen u.a. der politischen Indoktrination dienen wird zur Nebensache. Auch, dass Eltern, die etwas dagegen unternehmen, sei es durch eigene Meinung oder durch direkte Maßnahmen, dafür ins Gefängnis kommen scheint nicht zu stören. Man stelle sich vor, jemand würde die Kaderschulen der Nazis dafür loben, dass sie neben dem politischen und moralischen vergiften der Kinder und Jugendlichen einen guten Job im vermitteln von Lesen, Schreiben, Fremdsprachen und Algebra vollführten. Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass darauf mindestens eine Woche Empörung folgen würden.
Wie weit es wirklich darum steht kann man in den weniger ideologisch geleiteten Gremien nachlesen. So findet sich die Universidad de la Habana im internationalen Ranking der Universitäten auf Platz 701. Und damit selbst in Lateinamerika eher im unteren Mittelfeld. Das mag nicht ganz stimmen, nach unten oder nach oben, aber es gibt einen guten Anhaltspunkt, wie weit es her ist, mit der Bildung. Und in der Tat verlässt sich die Weltbank bei ihrer Auswertung vor allem auf kubanische Angaben. Sie hat für diesen Sektor keine eigenen Untersuchungen angestrengt.
Das Niveau dürfte dabei u.a. auch darunter leiden, dass es, wie seinerzeit in der DDR, eine ideologische Überprüfung gibt, wenn sich jemand zu einem Studium anmelden will.
Gerne wird angeführt, dass Kuba immerhin 10% seines Haushaltes in die Bildung steckt. Ausgelassen wird dabei sowohl der Hinweis auf die völlige Verstaatlichung, die politische Doktrination, die damit einhergehende Überwachung und die wirtschaftliche Lage Kubas. Von fast nichts sind 10% immer noch so gut wie gar nichts - und wenn man davon u.a. Parteifunktionäre und politische Maßnahmen bezahlen muss... so ist es nicht verwunderlich, dass die Gehälter der Lehrer eben nicht der Erzählung der aktuellen westlichen Journalisten entsprechen und davon künden, wie hoch Castro und Kuba sie wertschätzen. In der Folge kann kaum jemand von dem leben, was in diesem Beruf herausspringt und es gibt einen seit Jahren bekannten Mangel an Lehrkräften auf Kuba.



So aber sind auch Vorfälle wie das Massaker am Canimar Fluß vom 6.7.1980 scheinbar völlig uninteressant. Drei Jugendliche hatten damals ein Touristenboot mit einer unbekannten Zahl an Touristen übernommen. Die Sicherheitswache wurde in einem Schusswechsel verletzt und wurde zusammen mit einem Touristen der nicht mit nach Miami wollte frei gelassen. Das Boot wurde in Richtung Meer gesteuert, dort jedoch von zwei Schnellbooten und einem Kampfflugzeug beschossen. Das wehrlose Boot wurde anschließend gerammt. Wer jemals gelesen oder verfilmt gesehen hat, was in der Karibik mit blutenden Schiffbrüchigen passiert, ahnt, warum es nur zehn Überlebende gab, von denen zwei zu den ursprünglichen Entführern gehörten. 
Und das war nur ein einziger von vielen solchen Vorfällen. Die Leichen wurden nicht an die Familien übergeben, es gab keine Bestattung. Das mag heute kaum noch eine Erwähnung wert sein, aber Sippenhaft und Bestrafung selbst der Ermordeten sind in meinen Augen keine Kleinigkeit.

Es ist daher in meinen Augen ein weiteres Zeichen, dass unsere Gesellschaft, besonders aber unsere Politiker, Journalisten und Jugend scheinbar die Welt in einem bestimmten Licht sehen wollen. Fakten sind nur dann interessant, wenn sie der eigenen Anschauung nutzen. Und selbst dann. Anders kann ich mir Lobeshymnen wie die von Kanadas Premier Trudeau nicht erklären, der immerhin nach massiver Kritik an seinen positiven Worten über den verstorbenen Diktator nicht nach Kuba flog.
Deutschland schickt immerhin einen Altkanzler, den Gazprom Promoter Schröder und lässt das Loblieb der Linken Partei kritiklos im Raum stehen.
Mehr aufsehen als die plötzliche Liebe für einen Massenmörder fand bei uns die Reaktion Trumps - auch wenn das mein persönlicher, nicht zu beweisender Eindruck ist.
Die Zeit demonstrierte noch am ehesten die "wunderbar" subtile Art unserer Journalisten...
Für viele Kubaner war Fidel Castro der Máximo Líder. Sein Tod ist ein Schock für große Teile der Bevölkerung. "Alle Kubaner weinen heute Nacht", sagte die 42-jährige Marbelys einem Reporter der Nachrichtenagentur dpa in der Hauptstadt Havanna. Eine weitere Fau sagte: "Ich werde 100 Jahre weinen. Fidel hat uns Armen alles gegeben." In den Clubs und Bars von Havanna waren ungläubige Gesichter zu sehen, nachdem die Nachricht sich Freitagnacht verbreitete. Doch einige Besucher freuten sich auch über den Tod des kommunistischen Führers. "Gut, dass er tot ist. Jetzt fehlt nur noch der Bruder", sagte Jorge Gonzalez. Er müsse sich wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage prostituieren. "Was wir brauchen, sind Jobs."
Während die "100 Jahre Trauer" also echt und einem "Schock" entspringen, so ist der "Besucher" nur angeblich zur Prostitution gezwungen...
Die fast 20% der Bevölkerung, die seinerzeit und seitdem geflohen sind, die vielen Opfer und die für Fluchtversuche bestraften, all diese und viele weitere werden wohl kaum Trauern. Aber was kümmert es die Zeit, sowas muss doch kein kritisches Hinterfragen der Worte jener hervorrufen, die man unter den Augen der kubanischen Behörden interviewt...

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Maischberger, (Lügen)Presse und Hanfeld

Die deutschen Talkrunden und ihre Veranstalter sind für mich mittlerweile Orte des Abscheus geworden. Statt ein Thema dezidiert mit wirklichen Fachleuten und Betroffenen durchzuarbeiten, den Teilnehmern auch Unterlagen zum Quellenverweis und detaillierter Angaben zu erlauben wird i.d.R. eine Reihe von sog. Experten geladen, überraschend oft durch die öffentliche Hand genährt, dann gerne auch ein oder zwei Vertreter der "anderen Seite", also jener, die nicht mit dem Sender und den Moderatoren übereinstimmt, und dann wird alles durchgeplaudert, was sich auch nur irgendwie mit dem Titel der Sendung vereinbaren lässt.
Besonders bei der Trump-Sendung fiel es auf, als ausgerechnet LaFontaine (sic) der einzige war, der vor Pauschalisierung und dem als "Bashing" bezeichneten Schmähreden über Konservative, Trump und die Wähler der Republikaner warnte, während der Rest sich in einer Posse von Hillary-Jubel erging.
Nun kam die Gelegenheit sich intensiv mit einem der größten Probleme unserer gebildeten Gesellschaft auseinander zu setzen: der Vorwurf der voreingenommenen, geklitterten oder selbstzensierten Berichterstattung. Gleich vorweg: die Sendung war erbärmlich wie gehabt und ich bedauere jede investierte Minute, obwohl mit Vera Lengsfeld eine von mir sehr hoch gehaltene Dame dabei war.
Und jetzt wird es schon komplexer, denn über die Sendung zur Kritik an der Presse gibt es in der Presse natürlich Kritik, im Sinne einer Nachbesprechung. Und hier fiel mir jene der FAZ, verfasst von Michael Hanfeld auf. Vieles davon kann ich unterschreiben. Etwa wenn die Rolle bestimmter Teilnehmer beleuchtet wird. So fällt der ehemalige Nachrichtensprecher der ARD dem Busfahrer Radke immer wieder ins Wort - um auszuführen was dieser gerade sagte, aber natürlich in der Intention anders ausgelegt. Dies wirkt umso nerviger, als dass es bereits in den ersten Sätzen des rhetorisch wohl am wenigsten Erfahrenen in der Runde geschah, welche sich um Unterstellung und intentionelle Wortwahl der Medien drehten.
Erstaunlicherweise erhält Radke dann am meisten Redezeit zur Erklärung seiner Position. Einerseits natürlich ein scheinbarer Vorteil - andererseits aber auch frei genutzte Gelegenheit, ihm ins Wort zu fallen, dieses zu drehen oder Anschuldigungen zu drehen.
Der von Hanfeld als selbstkritisch gelobte Sascha Lobo springt prompt darauf an. "Sich als Opfer inszenieren" und "typisch für Rechte" sei das, was Radke da mache und er, Sascha RetterderMenschheit Lobo, müsse das "durchbrechen".
Hanfeld nennt diesen ersten Einsatz "Oberlehrerhaft". Er ist eher das, um was es eigentlich geht. Ein Medienschaffender, der viel für die Presse aktiv ist, generiert sich als moralische Instanz und diskutiert lieber einen Vorwurf der Emotion, statt sich um die genannten Fakten zu kümmern.
Und Hanfelds Kritik geht genau daran ebenfalls vorbei. Ja, er nennt den Mann, der vor ein paar Jahren als Heuchler entlarvt wurde, der Aufrichtigkeit und Grundrechte im Netz predigt, aber vor allem mit verlogener Werbung Geld verdiente (pries einen Telekomunikationsanbieter an, war aber bei einem völlig anderen; nutzt Geräte des größten Monopolisten Apple aber empörte sich über mediale Überwachung usw. usf.) und alle Kritik teilweise mit deutlichen Worten und ätzendem Sarkasmus zurück wies auch noch selbstkritisch...
Angesichts des angeführten Selbstlobes in der Sendung eher ein Beweis in der Sache. Sascha Lobo beschuldigt nach ca. 5 Minuten Redezeit Radke ein Rechter und ein Schauspieler zu sein aufgrund von Worten, die er teilweise nicht oder nur in Relationen genutzt hatte - um sich dann selbst für seine Haltung zu loben "(...) Und ich bin der erste der die Medien kritisiert Hab ich schon ganz oft gemacht, hab ich auf ganz vielen Plattformen gemacht(...)"
Lobo ereifert sich über das Wort "Lügenpresse" - und die Forderung Radkes dieses als "Schlagwort" zu sehen und "zu differenzieren". Dies sei "unverschämt".
Als wüsste Sascha Lobo nicht, was ein Schlagwort ist, ein Slogan. Aus der Werbung kommend, wo Sätze wie "Wir.dienen.Deutschland" oder "Make the world a better place" oder "Nichts ist unmöglich" keineswegs allgemeingültig das bedeuten sollen, was sie ad litteram, also wörtlich aussagen.
Niemand geht zu Toyota und will einen Panzer für 20€ mitnehmen - inklusive Winterketten...
Als eine mittlerweile aufgelöste Baumarktkette Rabatt auf alles ohne Kabel versprach, da war es lediglich ein Journalist der "investigativ" loszog, um in der jeweiligen Filiale ein Kabel von einem Gerät zu schneiden und dann die Ermäßigung zu verlangen.
Hanfeld aber nimmt das auf. Obwohl Radke gleich zu Beginn versucht zu erklären, dass aus seiner Sicht das Wort "Lügenpresse" eben nicht meint, dass jeder Artikel, jede Sendung und jeder Journalist bewusst Lügen würden, sondern sich viele verschiedene Ebenen und Zusammenhänge zu einer deutlichen und gefährlichen Tendenz in den Produkten unserer Medienlandschaft und der politischen Haltung wie Arbeitseinstellung verdichteten.

„Lügenpresse“ ist bekanntlich ein Kampfbegriff, mit dem nicht viel anzufangen ist. Er bedeutet, dass die Presse nichts als Lügen verbreite. Dabei schaut, wer von „der“ Presse als monolithischer Meinungsmaschine spricht, schon nicht so genau hin. Und den Beweis, dass alle Journalisten lügen, also vorsätzlich die Unwahrheit sagen, muss man auch erst einmal erbringen.
Und damit belegen sowohl Lobo als auch Hanfeld genau das, was so viele kritisieren. Sicher gibt es auch die Pauschalisierer und Extremdenker, die wirklich von einer Verschwörung ausgehen. Sei es von Links, seien es durch ihre antisemitische oder antiamerikanische Weltanschauung beförderte Verdächtigungen und von der eigenen Regierung.
Der Punkt aber ist: es wurde gerade in der ARD und bei den ÖR-Medien nachgewiesen, dass sie eine Tendenz zu überkritischer Berichterstattung in Richtung Russland haben (und ich bin nun wirklich kein Verteidiger Putins oder der "neuen" nationalen Richtung Russlands), selbst ein Intendant entschuldigte sich für die manipulierte Berichterstattung - nur um kurz darauf wieder im Pool derer zu sein, die zensierte Berichterstatung "zur Verhinderung von Fremdenfeindlichkeit" verteidigten.

Wenn Wortwahl thematisiert wurde - wo bleibt die sachliche Kritik an den Formulierungen "Südländer" und Codes wie "junge Männer" oder "Mann mit deutscher Staatsbürgerschaft" die dann in Fahndungsaufrufen gipfeln, die glatt die dunklere Hautfarbe des Gesuchten unterschlagen.
Das passierte in den letzten zwei Jahren nicht ein Mal in einer Zeitung. Es ist ein roter Faden, der sich durch unsere Medienlandschaft zieht. Bis hin zur Diskussion um eine Fahndung nach einem Vergewaltiger, über die in XY plötzlich nicht mehr berichtet werden sollte, weil der Täter ein Schwarzer ist. Oder die Verhinderung einer DNS Auswertung von Spuren in zwei grausamen Morden mit sexuellem Motiv in Hinsicht auf die Herkunft bzw. Ethnie - weil dies als rassistisch angesehen werden könnte - und von bestimmten Gruppen auch würde. Und diese Gruppen würden dafür keine solch kritische Stellungsnahme erhalten, wie bspw. Pegida oder die AfD.
Wird jeder Drohbrief an türkischstämmige SPD Politiker oder an Vorsitzende der Grüne in den Medien als Beispiel der drohenden Nazi-Gewalt auf den Strassen inszeniert, so sind die unzähligen Angriffe auf die AfD oder die Polizei bis dato bestenfalls Beispiele für "eine allgemeine Tendenz".
Was uns dann wieder zurück zur "pressekritischen Sendung" und ihrer Kritik bringt.
Hanfeld fordert die beiden Vertreter der Kritiker auf, Beispiele für ihren "Vorwurf der Pauschalisierung" gegenüber bestimmten Parteien bzw. Gruppierungen etc. vorzubringen. Genau das aber geschah in der Sendung. Radke, wie gesagt, nicht der geborene oder ausgebildete Diskussionsführer, erklärte Eingangs, wie aus der Handlung eines Einzelnen (Galgen für Gabriel) durch geschickte mediale Inszenierung (aus einem aus der Distanz kaum sichtbaren Minigalgen wurde durch Winkelwahl ein riesiges Instrument) und eben besagter Pauschalisierung ein Bild gezeichnet wurde, dass Pegida zur Mistgabel schwingenden Meute machte. Während die vollendeten physischen Angriffe AUF Pegida-Teilnehmer und ihre Besitztümer bis heute nahezu gar nicht berichtet werden.
Lengsfeld berichtete von einem alten Fall. Ein sächsischer Ort, der auch heute wieder unfairer Berichterstattung ausgesetzt ist, wurde durch die gesammelte Presse als fremdenfeindlich abgestempelt, weil die erfundendene und mittels Bestechung (moralisch wie fiskal) und Erpressung  unterfütterte Behauptung, ein krankes Kind sei von einer Meute xenophober Einwohner misshandelt und ertränkt worden. Die Untersuchungen stellten die Lügen bloß und retteten einige Unschuldige vor vielen Jahren in Haft, nicht aber vor der vorhergehenden Bloßstellung und der Untersuchungshaft - ein Vorgang der bis heute für die Presse keine personellen oder finanziellen Konsequenzen hatte.
Dieses Beispiel liegt aber schon über ein Jahrzehnt zurück. Aktueller sind die pauschalen Vorwürfe, Sachsen sei rechtsradikal. Obwohl es sich in vielen Orten dieses Bundesland völlig anders darstellt. So etwa in Leipzig, wo Polizeistationen, Beamte und öffentliche Einrichtungen regelmäßig massiv angegriffen und geschädigt werden.
Solcherlei führten die beiden sehr wohl als Belege an - allein, es fehlt der Wille, im Studio wie bei Hanfeld darüber sachlich und anhand von Fakten und Daten zu diskutieren.

Was von der Sendung wie von der Kritik bleibt ist ein treffender Abschluß des Artikels selbst.
Loriot hätte so etwas nicht besser inszenieren können. Ein Paradebeispiel für Realsatire, in der sich jeder durch sein Auftreten selbst widerlegt. Soviel Bretter vor dem Kopf muss man erst einmal haben.

Gratuliere Herr Hanfeld, das trifft den Nagel auf den Kopf. Und wenn Sie sich wundern, warum ich denke, dass es auch Sie betrifft: der Nagel steckt auch in dem Brett vor Ihrem Kopf.

Donnerstag, 24. November 2016

Unfälle und ihre Vermeidung

Wieder einmal gibt es sehr traurige Nachrichten aus den USA. Ein 2jähriger hat einem 1jährigen in den Kopf geschossen, während er mit den Eltern im Auto auf einem Parkplatz stand.
Es sind keine Details zu finden, außer, dass noch ermittelt wird, wie der Junge an die Waffe kam.
Es ist nicht das erste Mal, dass derartige Nachrichten zu lesen sind. Kinder, die ihre Mütter an- oder erschießen, als sie deren Waffen in die Hände bekamen. Geschwister, Spielkameraden oder Passanten, die "im Spiel" verletzt oder getötet werden.
Für die meisten Europäer steht fest, schuld an diesen Unfällen ist die leichte Verfügbarkeit von Waffen und dahiner steht bekanntlich die Indrustrie und die NRA.
Aber das ist zu einfach gegriffen. Schuld sind (i.d.R.) die Eltern. Wer glaubt, hierzulande könnte nichts dergleichen passieren, der verschließt die Augen.
"Messer, Schere, Licht ist für kleine Kinder nicht". Der Reim ist wohl vielen bekannt und ebenso sein Sinn. "Mit Messer / Schere in der Hand wird nicht gerannt" ist wohl weniger verbreitet, aber aus der gleichen Ecke einzuordnen. Hintergrund ist die Gefahr, die von Klingen, Flammen und ähnlichem ausgeht. Als Kleinkind nahm mein Großvater mich auf den Schoß und ich durfte seine Golf "einparken" - was bedeutete, er bediente die Pedale und ich drehte am Lenkrad - ohne Servorlenkung natürlich nahezu unmöglich für den kleinen Knirps der ich war. Schon bald ließ er das aber auch, denn mein Vater hielt mir dagegen bedeutend häufiger vor Augen, wie wertvoll, teuer und gefährlich ein Auto war. Wie leicht Schäden daran oder dadurch entstünden. Wie schlimm das wäre. So geriet ich bei einem der letzten Male regelrecht in Panik, als mein Großvater mich hochhob und ins Auto heben wollte. Die Erinnerung zählt zu den frühesten, die ich habe. Bis zu meiner Fahrschulzeit habe ich nicht mehr hinter einem Steuer gesessen - was sich wiederum als Benachteiligung gegenüber anderen erwies.
Der Kern ist: wir sind von gefährlichen Dingen umgeben. Bei fast allen davon legen wir großen Wert darauf, unsere Kinder so früh als möglich zu schützen und zu schulen. Wie überquere ich eine Strasse? Die Steckdosen werden gesichert (obwohl die meisten mittlerweile mit einer Kontaktsicherung kommen) und den Krabblern mit deutlichem "NEIN!" untersagt, daran zu spielen. Messer und Schere wird erst außer Reichweite, dann in "entschärfter" Version und unter Aufsicht zur Verfügung gestellt und mit Reimen und Merksprüchen zu angemessenem Verhalten aufgefordert.
Und trotzdem: Kinder trinken Rohrreiner oder andere Chemikalien. Ertrinken im Gartenteich, stürzen Treppen herunter oder aus Fenstern. Strangulieren sich am Klettergerüst mit der eigenen Kapuze, sterben am "zweiten Ertrinken" nach einem Poolunfall. usw. usf. In meinem Bekanntenkreis spielten zwei Kinder "Teestunde". Der Junge erhielt ein Glas "Limo" in blau. Weil die Softdrinks dieser Tage alle möglichen Farben haben, dachte sich die anwesende Mutter nichts dabei. Zwei Stunden später saß sie im Krankenhaus und wartete auf die wiederholten Untersuchungsergebnisse. Es war eine Reinigungschemikalie gewesen, welche von der anderen Mutter in eine Colaflasche umgefüllt worden war - aus Platzgründen. Ihr Kind hatte die Flasche im Giftschrank gefunden und zum Spielen einkassiert.
Wer sich bei google über "überfahrene Kinder" informiert, bekommt eine grausame Geschichte nach der anderen zu lesen. Wie viele Kinder in den letzten Wochen so ihr Leben verloren habe ich nicht zählen wollen.
Und da sind wir dann noch nicht bei den im Auto spielenden Kindern. Wie gefährlich es werden kann, "aus versehen" oder im Spiel die Handbremse zu lösen erfahren immer wieder entsetzte Eltern. Und wer glaubt, dies geschehe selten, der irrt gewaltig. Sie erregen nur weit weniger Aufmerksamkeit, als ein Unfall mit einer Schusswaffe in den USA. Eigentlich erstaunlich.

Das gilt auch für Messer. Als jemand, der normalerweise stets ein kleines und im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben befindliches Messer dabei hatte und oft gebrauchte (als Brief- und Paketöffner, zum Hausgebrauch insbesondere in der Renovierungszeit, im Sport bis hin zum Nothelfer sollten sich die Hunde in den Leinen verfangen) bin ich immer wieder überrascht, wie wenige Menschen in der Lage sind, eine Klinge sicher zu übergeben. Regelmäßig muss ich darauf hinweisen: Griff zuerst übergeben, damit man nicht in die Klinge fast. Eine Kleinigkeit, aber ein Teil des sicheren Umganges mit einem Gegenstand, der das potential hat, zu verletzen oder gar zu töten.
Die meisten Haushaltsunfälle mit Messern werden nicht erfasst. Eltern achten in der Regel darauf, dass Kinder nicht in die Reichweite von Messern kommen. Wenn es dann doch mal passiert, gilt es als Unfall und es wird untersucht, ob die Eltern ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen sind. Jemand, der seine Kleinkinder in Reichweite eines Steakmessersets spielen lässt wird in der Öffentlichkeit als unverantwortlich wahrgenommen werden, spätestens, wenn etwas passiert.
Warum ist das bei Schusswaffen anders? Die Eltern haben hier unverantwortlich gehandelt, indem sie nicht darauf achteten, dass die Waffen außer Reichweite der Kinder sind. Sie hatten eine Waffe dabei, die offensichtlich schussbereit war und haben diese nicht tunlichst unter Verschluss gehalten. Das ist nur vergleichbar mit einem scharfen Messer im Bällebad oder einem umgedrehten Rasenmäher mit laufendem Motor. Würden Sie Ihr Kleinkind allein einem offenen Feuer oder einem tiefen Pool spielen lassen? Wohl nicht. Wer ist schuld, wenn dann etwas passiert? Das Kind, der Pool / das Messer / der Rasenmäher oder die Eltern?

Ein Gegenstand ist genau das. Manche sind gefährlich, manche nur unter bestimmten Bedingungen und manche gar nicht. Wenn es um Kinder geht, so können die unwahrscheinlichsten Dinge zur Bedrohung werden. Darum brauchen sie Aufsicht. Und diese sind verantwortlich. Das ist oft nicht schön und mitunter sehr lästig - aber nur so vermeidet man die meisten Unfälle. Zumindest solche ohne Fremdbeteiligung und Materialfehler.
Es wäre an der Zeit wieder mehr Eigenverantwortung zu lehren und den Menschen weniger Raum zu geben, andere(s) für ihre Fehler zu beschuldigen.

Donnerstag, 10. November 2016

Bürgerkrieg in den USA?

Was liest und hört man nicht seit Wochen und Tagen für Vorhersagen.
Wenn Trump verlöre, so wurde orakelt, dann würden die "Hillbilly-Milizen" oder die "weißen Rassisten" oder die "Waffennarren" einen Bürgerkrieg vom Zaun brechen.
Das diese sich in den Wochen und Monaten des Wahlkampfes nicht besonders gewaltbereit zeigten - abgesehen von inakzeptablen Schlägen gegen Störer der Wahlkampfreden, fällt erst auf, wenn man gezielt nach solchen Vorfällen sucht.
Andersherum sind Bilder entstanden, die ich persönlich für unglaublich halte.
Da jagen ganze Mobs junge Menschen, prügeln und spucken, treiben sie in die Enge... und das ist kein Anlaß die Angreifer auf eine Ebene mit den Gespenstern der Vergangenheit oder den Extremisten der Gegenwart zu stellen?
Scheinbar nicht.
Noch unmittelbar vor der Wahl warnte ein US Schriftsteller in der FAZ, dass Trump, seine Kampagne und seine Anhänger das Klima vergiftet hätten und als Gefahr anzusehen seien. Sie könnten jederzeit nach der verlorenen Wahl zur Waffe greifen und die USA in einen Bürgerkrieg stürzen.
Das Trump auf die Frage, ob er eine Niederlage akzeptieren werde die Antwort gab, er werde auf den Ausgang sehen und dann entscheiden wurde als Wahnsinn, als Egomanie gewertet.
Nun haben wir über 24 h nach der unerwartet beendeten US Wahl eine Vielzahl an Ereignissen, die das genaue Gegenteil zeigen. Von LA bis Washington randalieren, terrorisieren und skandieren Menschen gegen Trump. Polizisten werden verletzt, angeschossen. Autos in Brand gesetzt. Autobahnen und Schnellstrassen blockiert. Sätze wie "Kill Trump" werden gesprayt und gebrüllt. Mittendrin die angebliche Elite. Stars wie Madonna und Rhinna finden sich in der Menschenmenge, die in New York City die Wahl nicht akzeptieren will. Ähnliche Bilder kennen wir nachdem der Volksentscheid in GB zum Brexit führte.
"He's not my president" wird öffentlich als eine Art Gelöbnis inszeniert.
Plötzlich sind es eben nicht die Konservativen, die Rechten, die Christen, die Waffennarren, die Alten, die weißen Männer die da einen feuchten Dreck auf Demokrate und Mehrheitswillen geben. Plötzlich sind es nicht die Dämonisierten, die Gewalt und diktatorische Mittel über Überzeugung und Miteinander stellen.
Wer immer Obama als Präsidenten nicht akzeptierte war ein Rassist oder schlicht Verrückt. Das es nun eine gleichartige Bewegung von der Gegenseite gibt, die allerdings auch vor Gewalt und Morddrohungen nicht zurückschreckt sollte zum überdenken der eigenen Position bewegen.

Das dies an mancher Stelle passiert ist gut. Doch die FAZ macht es auch hier wieder vor. Sie berichtet selektiv über die Vorgänge, spart sich die Tiefpunkte der Proteste aus und beschuldigt die Trump Anhänger.

Die Proteste verliefen weitgehend friedlich, allerdings tauchten immer wieder Trump-Befürworter in der Menge auf und lieferten sich Schrei-Duelle mit Trump-Gegnern.

Dass die Demonstranten gezielt vor den Trump Tower zogen und auch andere "Trump-Spots" wählten, um das demokratische Ergebnis einer demokratischen Wahl anzufeinden (und nicht nur in Frage zu stellen), sie hier also den "Trump-Anhängern" keine Wahl ließen als "mitten in der Menge aufzutauchen" wird zu einem aktiven Akt der Provokation umformuliert.

Runtergespielt wird dann die seriöse Natur der Ausschreitungen.
Bei einigen Demonstrationen kam es zu kleineren Ausschreitungen. In Oakland blockierten rund 6000 Demonstranten Straßen. Einige Demonstranten setzten ein Porträt von Trump in Brand, bewarfen Polizisten mit Gegenständen, zündeten Müll auf einer Kreuzung  an, warfen mit Feuerwerkskörpern und zerstörten Schaufenster.

Wie oben beschrieben, sieht es weit ernster aus. So wurden Demonstranten selbst verletzt, als sie versuchten Schnellstrassen zu blockieren und einfach in den fließenden Verkehr liefen.
Angeschossene Polizisten, blutige Trumpmasken auf Spießen und besagte Slogans sind keine Kleinigkeit. Tausende Menschen, die sich einzig zum Zweck versammeln, den gewählten Präsidenten nicht anzuerkennen - keine Kleinigkeit.

Die Medien haben in den letzten vier Jahren immer wieder unter Beweis gestellt, dass sie sich selbst mehr in der Rolle des Erziehers als des Informanten sehen. Dass sie mehr an gesellschaftlichem Frieden interessiert seien, an "verantwortungsvoller Berichterstattung" als an blanker Datenweitergabe haben sie selbst betont, bewiesen und im Falle der Flüchtlingsberichterstattung bspw. auch zugeben müssen.
Seltsam, dass nun ausnahmslos Titel wie "Amerika am Abgrund", "Wer kann Trump jetzt noch stoppen" oder "Der Spuk geht jetzt erst richtig los" bei uns auftauchen und die Stimmung noch weiter anheizen.

Trumps Wahl war eine Wahl gegen die außer Rand und Band getriebene Kultur der political correctness, gegen Obamacare, gegen Korruption und Filz in einer sich selbst lobenden und fördernden Kaste von Politikern, gegen Bevormundung und Heuchelei, gegen einseitige Aufarbeitung und vor allem gegen Clinton.

Was Trump, ein eitler, egozentrischer Mann ohne die geringste Ahnung von Politik daraus macht, dass weiß jetzt noch keiner so genau, schon gar nicht nach seiner kreidegebleichten Rede am Wahltag. Aber was die Demonstranten in NY und LA anfangen, dass ist offensichtlich. Wäre Zeit es auch zu benennen. Schon um Erdogans Weg von Anfang an für Trump zu verbauen.

Mittwoch, 9. November 2016

Gezeitenwechsel

Wer sich die Berichterstattung der sogenannten "Mainstream"-Medien zum Wahlkampf in den USA, zu den jeweiligen Ländernparlamenten hier in Deutschland oder zur Präsidentenwahl in Österreich ansah, der bekam den Eindruck vermittelt, ein Teil der Bevölkerung des jeweiligen Landes würde völlig durchdrehen oder sich radikalisieren, aber die "geistig gesunde" Elite würde eine Lösung für die winzigen Probleme bereithalten.
Dazu gehörten dann, dass die aktuell existierende EU alternativlos das einzig gute und bewährte Allheilmittel sei, die Einwanderung durch Grüne, SPD und CDU gesteuert und zu einem guten Beitrag gewandelt werden kann, den unsere Gesellschaft mit gemeinsamer "Anstrengung" bewältigen würde. In Österreich würde natürlich ein linker Präsident den Frieden sichern, so wie in den USA die "bewährte Politikerin Clinton" eine "rationale Kandidatin" sei, deren "kleine Skandälchen" (Originalton aus einer Talkshow) gnadenlos übertrieben würden.
Und natürlich so manches mehr.

Nicht ein Aufschrei der Angst und des Entsetzens hallte durch die Berichter der ausgewählten Informationen und Meinungen als in Schweden die Regierung, welche eigentlich nicht zustande kam, statt Neuwahlen wegen der guten Ergebnisse der "Rechtspopulisten" entschied, keine Neuwahlen abzuhalten, sondern lieber die reguläre nächste Wahl gleich mit auszusetzen und eine Minderheitenregierung durchzudrücken.
Das gleiche Entsetzen vermisse ich bei der jüngsten juristischen Entscheidung in Großbritannien, den Parlamentariern, stimmberechtigt wie jeder andere Bürger während des Volksentscheides, die Chance zu geben, den Willen des Volkes zu ignorieren. Nicht nur, dass eine demokratisch getroffene Entscheidung damit negiert wird und sich unsere Journalisten und Politiker darüber kein Stück empören, der politischen Kaste wird damit rückschrittlicher Weise ein höherer Stellenwert eingeräumt.
In der Türkei gebärdet sich Erdogan wie ein anderer, allerdings europäischer Schnauzbartträger, quasi in Neuauflage mit winzigen Änderungen in den Details. Panik, Warnungen, Chefkommentare mit deutlichen Worten? Fehlanzeige.

Jetzt wählen vor allem Weiße und darunter vor allem Männer in den USA Trump - und statt zu fragen, was diese dazu bewegt, wird geurteilt. Einseitig. Kein Wort darüber, dass die Rassenspannung unter Bush weit geringer war und durch den letzten Hoffnungsträger gewachsen ist - vor allem bei Polizisten aller Hautfarbe. Diese stehen nun als rassistische Buhmänner da, auch wenn sie selbst schwarz, lateinamerikanischer oder asiatischer Abstammung sind.

Kein Wort über die massive Entlassungswelle der letzten Jahre unter hochrangigen Offizieren aufgrund politischer Differenzen oder die einseitigen Religionsvorschriften im Militär, die öffentliche Gebete für Christen ebenso untersagten (mit Strafandrohungen) wie bestimmte Abzeichen (bspw. Gasdens "Dont tread on me"), aber den muslimischen Soldaten und Sikhs eindeutig religiöse Kleidungsstücke erlaubt.

Kein Wort über die Probleme, die Obamacare bereitet - bspw. die Strafen, die selbst Familienbetriebe und Kleinstfirmen zahlen müssen, wenn sie die vorgeschriebene Abdeckung nicht einhalten - auch, wenn sie sich diese gar nicht leisten können. Und auch die Privathaushalte wurden weit mehr belastet, als vorgesehen. 6,6 Millionen US Haushalte mussten die Sondersteuer zahlen. Gleichzeitig geht das System gerade pleite und hinterlässte riesige Löcher. So stehen bald 1,4 Millionen US Bürger ohne Abdeckung da, weil Obamacare deren Leistungen aus ihrem Programm streicht. Gleichzeitig ist das private Angebot in diesem Bereich quasi nicht mehr existent - denn Obamacare hatte ihnen ja die Geschäftsgrundlage entzogen.

So könnte man fast stundenlang weitermachen, in welchen Bereichen man auch immer will. Wer nicht zu einer der von Obama präferierten Minderheiten gehörte, erlebte in den letzten Jahren, wie ihm im wahrsten Sinne signalisiert wurde: du bist an allem Schuld und darum wirst du nicht nur benachteiligt, wir interessieren uns auch nicht, wenn du leidest. Deine Meinung und deine Menschenrechte sind für uns völlig ohne Belang.

Statt die Wähler zu verteufeln und Millionen von Menschen undifferenziert und letztendlich nach den eigenen Maßstäben rassistisch und sexistisch zu verteufeln, wäre eine faire, ausgewogene Analyse der Zustände angebracht. Es sind nicht alles verrückte Machos. Und auch unter den Latinos ist immerhin ein Drittel der Stimmen an den "weißen Teufel" gegangen. Warum? Wäre interessant von diesen Menschen zu hören, statt von deutschen oder us Journalisten, die glauben, nur sie verstünden die Welt richtig.